Sternwarte und Planetarium Eilenburg


Erlebnisbericht von Dieter Werner, Eilenburg
Wie ich „meine“ Sofi erlebte

Mittwoch, der 29. März 2006 mittags. Ich bin sehr aufgeregt. Strahlender Sonnenschein über Side an der Türkischen Riviera. Der Wetterbericht stimmt. Ich werde meine erste und wahrscheinlich einzige totale Sonnenfinsternis erleben. Mein sonnenverbrannter Hals schmerzt. Oder ist es nur die Aufregung? Ach, hätt' ich doch bloß schon vor drei Tagen die Sonnenschutzcreme benutzt. Fast 30 Grad im Sonnenschein! In den Schatten fliehen geht nicht. Jetzt oder nie!


Ronny Harzer am Meade ETX 105

Gespannt verfolge ich gegen 13.45 Uhr Türkischer Sommerzeit von der Terrasse des Hotels Side Star mit meiner Finsternisbrille die immer schmaler werdende Sonnensichel. Um mich herum andere Finsternis-Beobachter, darunter auch einige aus meiner Reisegruppe. Volker hat gerade wieder die Digi am Sonnenfernrohr befestigt und knipst die Sonne oder was von ihr noch zu sehen ist. Und auch die Hotelangestellten wollen mal durch´s Fernrohr gucken. Da muss es erneut auf visuelle Beobachtung umgerüstet werden. So geht es hin und her. Schon das Zuschauen macht richtig Spaß. So viele Leute interessieren sich heute für die Vorgänge am Himmel. Da im Südwesten der erste Stern! Es ist natürlich die Venus, die nun mit zunehmender Dämmerung immer heller erscheint. Gleich ist es soweit.


Gleich ist es soweit.

Ich schaue aufs Meer hinaus, um den herannahenden Finsternisschatten zu erspähen. Aber das sonst blaue Mittelmeer ist bereits ganz dunkel. Da ist der heranrasende Kernschatten des Mondes natürlich nicht auszumachen. Für einen Moment ist es stockfinster. Plötzlich Licht am Himmel - die Sonnenkorona. So sieht sie also aus, denke ich. Wunderbar! Super! Mir fehlen die Worte. Und was ist nun los? 

Während der Totalität: Korona Während der Totalität: Protuberanzen

Aus allen Richtungen dringen laute Geräusche in meine Ohren. Hunderttausende Hände klatschen aufeinander, spenden stürmischen Applaus, wir hier auf der Terrasse auch. Da muss man einfach mitmachen. Ich habe echt Tränen in den Augen. Zum Glück sieht das keiner in der Dunkelheit. Ein ergreifender Augenblick. Kein Film kann die Stimmung auch nur annähernd wiedergeben. Nein, dieses Naturschauspiel kann nicht wirklich kopiert werden. Man muss es erlebt haben! Und ich bin dabei! Dann, nach etwa 2 Minuten, verebbt der Beifall. Richtig, ich wollte ja auch die kleinen Vögelchen auf den Parkbäumen beobachten. Ein Zwitschern ist nicht zu hören. Und die Hotelkatzen haben sich schon vor längerer Zeit verkrochen. Es ist totenstill. Am Himmel sind nur die wunderbare Korona und die Venus zu sehen. Oh Gott, da scheinen ein paar Schleierwolken aufzukommen! Sie ziehen rechts unterhalb der Sonne vorbei. Doch gerade dort müsste der Merkur sein. Nun werde ich nie erfahren, ob der Merkur zu sehen gewesen wäre. Meine Arme haben Gänsehaut. Irgendwie beginne ich zu frieren. Die Jacke ist im Hotelzimmer. Also durchhalten. Ich kann mich vom Anblick des Strahlenkranzes der Sonne nicht lösen. Wieviel Zeit ist eigentlich noch? Ich wollte doch die letzten Sekunden der Totalität zählen und die Leute an den Kameras sowie Volker am Fernrohr warnen. Ich bekomme meinen Blick einfach nicht weg von der Korona. Es ist wie ein Zauber. Plötzlich ist sie wieder da, die Sonne! Und gleich furchtbar blendend! Reflexartig gehen die Augen zu. Wir alle auf unserer Terrasse waren total überrascht vom plötzlichen Sonnenlicht. Keiner hat zuvor auf die Uhr geschaut. Wie auch, wir waren alle wie hypnotisiert. Volker hat im letzten Moment das ganze Fernrohr weggedreht. Es ist niemand zu Schaden gekommen. Bloß gut!



Schnappschuß aus freier Hand

Jetzt, als es wieder hell ist, sehe ich, wie unsere Damen sich gegenseitig betasten. Sie prüfen, wer die kühlsten Wangen und Arme hat. Es war wirklich richtig kalt geworden, so um die 17 Grad. Die schmale Sonnensichel spendet auch noch keine Wärme. Die Leute am Strand haben bestimmt ihre Jacken angezogen, denn dort ist man ja auch dem Seewind ausgesetzt. Da haben wir es hier auf der Hotelterrasse viel bessser. Und nun bringt der Barkeeper schon den bestellten warmen Kaffee. Torte und Kuchen sind auch dabei. Ich halte mich tapfer und lehne dankend ab, denn ich habe ja noch ein Glas mit eisgekühltem Tonic auf dem Tisch. Brr. Zum Glück ist mein Getränk nicht mehr so sehr kalt. Und die zunehmende Sonnensichel wärmt wieder. Alles im Lot.


Die Sonne wärmt uns wieder

Dieter Werner
pädagogischer Mitarbeiter der Eilenburger Sternwarte


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Letzte Änderung am 01.03.2007

Autor: Dieter Werner